Gutes Design

10 Thesen für Gutes Design

von Dieter Rams.

Die 10 Thesen von Dieter Rams (als pdf, von 1995, gering verändert und erweitert 2002) fassen meine Ausbildung zur Industriedesignerin zusammen. Noch stark geprägt von der bauhaus-Idee und der Ulmer Schule, galt die Gute Form als einziges Ziel. Die 10 Thesen hießen damals nicht 10 Thesen, sondern Funktionsanalyse (heute extrem ausgedünnt: design thinking). Hier wurde in die verschiedenen Funktionsbereiche bis in die Tiefe unterschieden, in denen die ästhetische Funktionen gleichwertig neben der funktionalen Funktionen und der Reparaturfähigkeit, Materialtrennung und Entsorgung (heute: Nachhaltigkeit) stand. Im Fokus stand immer der Verbraucher, der Mensch (heute: user centered), der das Produkt nutzte.
Diese 10 Thesen können perfekt auch als Qualitätskontrolle eingesetzt werden – übrigens in allen Designsparten.

Dieter Rams

Jeder Designinteressierte müsste ihn kennen. Was heute apple ist, war in den 60-80 Jahren die Firma braun. braun stand für die Guten Form bis amerikanische Manager diese ignorierten. Die braun’sche klare Formensprache  begründete der Architekt und Designer Hans Gugelot, der auch maßgeblich an der Ulmer Schule mitwirkte und 1965 plötzlich verstarb. Gugelot sah Design als intellektuelle und moralische Frage, die mit Geschmack nichts zu tun hat und arbeitete eng mit Otl Aicher und weiteren großen Namen zusammen. Nach seinem Tod setzte Dieter Rams das Gedankengut der radikalen Reduktion fort und war bis 1995 Leiter der Formgebung bei braun. Mehrfach ausgezeichnet für sein Lebenswerk, konnte man die aktuelle Dokumentation über Dieter Rams von Filmemacher Gary Hustwit zur Corona-Zeit frei streamen. Wer noch die Chance hat, sollte sich dies nicht entgehen lassen!

 

  1. Gutes Design ist innovativ

    Die Möglichkeiten für Innovation sind noch längst nicht ausgeschöpft. Die technologische Entwicklung bietet immer wieder neue Ausgangspunkte für innovative Gestaltungskonzepte, die den Gebrauchswert eines Produktes optimieren. Innovatives Design entsteht aber stets im Zusammenhang mit innovativer Technik und ist niemals Selbstzweck.

  2. Gutes Design macht ein Produkt brauchbar

    Man kauft ein Produkt, um es zu benutzen. Es soll bestimmte Funktionen erfüllen – Primärfunktionen ebenso wie ergänzende psychologische und ästhetische Funktionen. Gutes Design optimiert die Brauchbarkeit und lässt alles unberücksichtigt, was nicht diesem Ziel dient oder gar entgegensteht.

  3. Gutes Design ist ästhetisch

    Die ästhetische Qualität eines Produktes ist integraler Aspekt seiner Brauchbarkeit. Denn Geräte, die man täglich benutzt, prägen das persönliche Umfeld und beeinflussen das Wohlbefinden. Schön sein kann aber nur, was gut gemacht ist.

  4. Gutes Design macht ein Produkt verständlich

    Es verdeutlicht auf einleuchtende Weise die Struktur des Produkts. Mehr noch: es kann das Produkt zum Sprechen bringen. Im besten Fall erklärt es sich dann selbst.

  5. Gutes Design ist ehrlich

    Es lässt ein Produkt nicht innovativer, leistungsfähiger, wertvoller erscheinen, als es in Wirklichkeit ist. Es versucht nicht, den Verbraucher durch Versprechen zu manipulieren, die es dann nicht halten kann.

  6. Gutes Design ist unaufdringlich

    Produkte, die einen Zweck erfüllen, haben Werkzeugcharakter. Sie sind weder dekorative Objekte noch Kunstwerke. Ihr Design sollte deshalb neutral sein, die Geräte zurück treten lassen und dem Menschen Raum zur Selbstverwirklichung geben.

  7. Gutes Design ist langlebig

    Es vermeidet modisch zu sein und wirkt deshalb nie antiquiert. Im deutlichen Gegensatz zu kurzlebigem Mode-Design überdauert es auch in der heutigen Wegwerfgesellschaft lange Jahre.

  8. Gutes Design ist konsequent bis ins letzte Detail

    Nichts darf der Willkür oder dem Zufall überlassen werden. Gründlichkeit und Genauigkeit der Gestaltung sind letztlich Ausdruck des Respekts dem Verbraucher gegenüber.

  9. Gutes Design ist umweltfreundlich

    Das Design leistet einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung der Umwelt. Es bezieht die Schonung der Ressourcen ebenso wie die Minimierung von physischer und visueller Verschmutzung in die Produktgestaltung ein.

  10. Gutes Design ist sowenig Design wie möglich

    Weniger Design ist mehr, konzentriert es sich doch auf das Wesentliche, statt die Produkte mit Überflüssigem zu befrachten. Zurück zum Puren, zum Einfachen!