barfuss auf der Strasse

Marke ohne Authentizität, geht das?

Adidas zerstört mit nur einer Nachricht sein Image. Dieses Mal sind es keine Insider, die die Authentizität infrage stellen, sondern die neue Markenphilosophie landet in jedem Wohnzimmer: „Die drei Streifen von Adidas dürften jetzt in der öffentlichen Wahrnehmung für drei Begriffe stehen: Inakzeptabel, unanständig und asozial.“* Ein Image-Verlust, der dem Unternehmen weit mehr kosten wird, als die Mieten im April. Und der Weg wird ein langer sein. Selbst die Frage muss erlaubt sein, ob Sportsgeist und Fairness jemals wieder Gewicht im Markenbild haben werden? Wie schnell vergessen die Menschen? Oder wird barfuß der neue Trend?

Andere Markenunternehmen folgen. Die Ängste vor dem Gesichtsverlust und dem monetären Downhill wiegen schwerer als eine besonnene langfristige Planung. Wenn schon die SPD „Schlamperei“* Türen öffnet, sollte man diese doch auch nützen, oder nicht? Und Schnelligkeit, hier sind zumindest Sportschuhe hilfreich, ist doch unabdingbar, will man zu den Gewinnern gehören – verlieren können andere. Und Visionen erarbeiten? Nein, da hält man sich lieber an das Zitat von Helmut Schmidt, wer Visionen habe, möge zum Arzt gehen.

Unsere Prägung vom Gewinnen und Verlieren kocht gerade ein ganz eigenes Süppchen, gewürzt mit einer großen Portion Angst vor dem Tod. Wir scheinen überzeugt zu sein, den Tod genauso kontrollieren zu können wie Produktionsabläufe. Ob der Tod sich daran hält? Wohl kaum.

Der Suppentopf ist voller Aktionismus, viel Gerede, reißerischen Überschriften, schlechten selbst gemachten Videos, wenig Inhalt, noch weniger Kreativität, falsche Zahlen und so auch einige falsche Schlussfolgerungen. Man ist versucht zu glauben, KI sei schon am Werk: einmal vorne Bullshit eingeben, millionenfacher Bullshit kommt hinten raus. Verhaltensweisen, die klar auf Überforderungen hinweisen, die wiederum nur die Existenzangst und die Angst vor Veränderung überdecken. Der Corona-Virus zeigt uns mehr als deutlich, wie sehr wir Sklaven unserer Ängste sind.

Deswegen müssen wir dringend über Angst reden.
Und über den Tod.

Und, wir müssen über Visionen reden.
Damit unser Handeln wieder eine Richtung bekommt.

*Tagesschau-Sprecher Holger Ohmstedt, 31.03.2020