world industrial design day 2026

World Industrial Design Day 2026

World industrial Design Day – 29.06.2026

»Wo Designer*innen vorangehen, entsteht Resilienz.

…. Jeden Tag schaffen Designerinnen Resilienz – nicht nur für sich selbst, sondern auch für die Menschen, Organisationen und Gemeinschaften, für die wir tätig sind.« WIDD

Design. Resilienz. Schauen wir genauer hin.

Das Wort Resilienz stammt vom lateinischen resilire – zurückspringen, abprallen, nicht anhaften. Heute wird es fast inflationär verwendet. Es beschreibt die Fähigkeit, Krisen zu bewältigen, sich Veränderungen anzupassen und trotz Widrigkeiten handlungsfähig zu bleiben.

Aber genau darin liegt das Problem: Der Begriff beschreibt ein Ergebnis, nicht den Weg dorthin.

Designer*innen schaffen keine Resilienz. Sie schaffen Bedingungen, unter denen Menschen, Organisationen und Gesellschaften mit Veränderungen umgehen können. Sie machen Möglichkeiten sichtbar, bevor sie offensichtlich werden. Sie stellen Fragen, bevor andere merken, dass etwas nicht oder nicht mehr funktioniert.

Das ist der entscheidende Unterschied.

Der Mensch, die Designerin und Designer

Kreative Menschen gelten häufig als belastbar. Tatsächlich ist oft das Gegenteil der Fall.

Wer kreativ arbeitet, nimmt mehr wahr. Studien legen nahe, dass besonders kreative Menschen äußere Reize nicht filtern können. Ihnen fehlt tatsächlich eine Hemmzone im Gehirn (siehe formatio naturalis, S.120 ff). Sie beobachten intensiver, denken vernetzter und zweifeln häufiger. Gerade diese Offenheit macht sie empfindlicher – nicht robuster.

Und doch leben Kreative sicher in der Unsicherheit.

Und genau darin liegt ihre besondere Fähigkeit: Sie erwarten keine Gewissheit. Sie können gestalten, obwohl noch keine Lösung sichtbar ist. Das leere Blatt – heute meist eine leere Datei – ist für sie eine freudige Einladung.

Der Designprozess

»Ich habe einen Beruf, in dem ich glücklich sein muss.«

Diesen Satz hörte ich vor vielen Jahren von einem Intoneur bei Steinway. Er beschreibt sehr gut, worum es auch im Design geht. Gestalten verlangt Konzentration, Präzision und Offenheit zugleich. Es bedeutet, Bestehendes infrage zu stellen und etwas hervorzubringen, das vorher noch nicht existierte. Ablenkungen jeglicher Art zerstören den Prozess.

Doch Kreativität entsteht niemals allein.

Sie braucht Vertrauen.

Nicht das höflich-experimentelle Interesse eines Auftraggebers, der »mal schauen möchte, was Design so liefert«. Sondern echtes Vertrauen in einen Prozess, dessen Ergebnis anfangs niemand kennt. Ideen müssen entstehen dürfen. Die »unkontrollierte Kreativität« will diskutiert, verworfen, weiterentwickelt und manchmal gegen Gewohnheiten verteidigt werden. Das verlangt Vertrauen und Mut – auf beiden Seiten.

Was Design wirklich schafft

Entsteht ein Zusammenarbeit mit Ihrer Designerin dauerhaft, verändert sich mehr als ein Produkt. Es entsteht eine Haltung. Eine Organisation lernt, Fragen wichtiger zu nehmen als schnelle Antworten. Sie entwickelt die Fähigkeit, Unsicherheit als Ausgangspunkt für Neues zu verstehen. Sie passt sich den Veränderungen nicht an, sondern beginnt, sie selbst bewusst zu gestalten.

Ist das gemeint, wenn heute von Resilienz gesprochen wird? Eher weniger. Daher will ich es gerne anders benennen:

Es ist eine ästhetische Haltung. Gestaltung wird zur Strategie.

Zukunft entsteht dort, wo Menschen den Mut haben, Gewohntes infrage zu stellen, auch ihre eigenen Konditionierungen, und neue Möglichkeiten zu denken, zu träumen und zu gestalten.

Dann ist Design weit mehr als nur Problemlösung. Dann ist Design ein Gewinn für alle.

Den Einleitungssatz vom WIDD ändere ich daher in:

Gemeinsam Mit Designer*innen
wird Zukunft bewusst gestaltbar.

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