normal oder normal?

Normal oder normal?

Nach dem Shutdown steht die Frage im Raum, wie wird der Weg zurück zur Normalität? In meinen Augen, eine falsche Fragestellung. Denn ein Zurück in die Welt der Normalität, so wie wir sie kannten, wird es nicht geben. Und eine andere Frage erscheint mir viel wichtiger, wollen wir das denn überhaupt zurück?

Adidas verzeichnete 2019 ein Gewinn von 1,9 Mrd. EUR und bekommt auf Grund von Corona 3 Mrd. EUR Kredit (13.04.2020), zahlt dafür doch seine Mieten und muss ein paar Einschränkungen hinnehmen, um weiter wie bisher zu arbeiten. Armani, der super schnell seinen Betrieb auf Masken umstellte, positioniert sich mit einer neuen alten Langlebigkeit für seine Mode und kündigt an, auf die ständigen 3×4 saisonalen Erneuerungen zu verzichten.

Wir haben die Wahl

Zwei Beispiele, zwei Wahlmöglichkeiten. Weiter wie bisher mit allen Konsequenzen für Umweltverschmutzung, dem Ausnutzen von Billiglohnländern, dem Streben nach immer mehr und möglichst viel Gewinn für die eigene Kasse? Masse statt Klasse? Oder in eine neue Zukunft zurück zur Qualität, die auch Jahre später noch Freude bereitet? Langlebige Produkte mit einer langlebigen Gestaltung, ohne Einbau von Bruch nach Ablauf der Garantie?

In meiner Ausbildung zur Designerin war eine langlebige Qualität immer das Ziel. Eine zurückhaltende klare Formgebung, die „Gute Form“, die auch nach Jahren im Gebrauch noch Gültigkeit hat. Als Teil der Gestaltung war eine leichte Reparaturfähigkeit und materialtrennende Entsorgung für die Wiederverwertbarkeit integriert. Irgendwann und irgendwo muss dieses in der Designausbildung verloren gegangen sein. Oder ist es eher den McKinseys zu verdanken, alles nur in Gewinn zu messen und für Design Leadership Positionen nicht mal mehr eine fundierte Designausbildung zu fordern?

Qualität als Entscheidung

Qualität ist eine Entscheidung. Qualität muss man leben. Jeden Tag aufs Neue. In den Produkten, in der Marke und im Umgang mit anderen und des Gesamten. Und ja, auch im eigenen ganz persönlichen Leben. Zugegeben, das ist nicht immer leicht. Diese Wahl muss jede und jeder und jedes Unternehmen treffen. Auch das Unternehmen Bundesrepublik Deutschland. Für die daraus resultierenden richtungsweisenden Fragen und Entscheidungen muss dringend Einsteins Zitat als richtig erkannt und gelebt werden:

„Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.“

Mit anderen Worten, die Zeiten sind vorbei, allein in der Technik oder in der gerade boomenden Digitalisierung die Lösungen aller Probleme zu sehen. Für zukunftsweisende Lösungen müssen wieder Fragen nach zutiefst menschlichen Bedürfnissen und nach verbesserten Lebensqualitäten gestellt werden. Fragen, die die Gesamtheit und den Einklang mit der Natur beinhalten. Und diese Fragen mit ihren Antworten sind entscheidend. Sie gehören integriert; nein, sie gehören inkludiert!

Wie soll das gehen? Auch hier kann uns nur eine Rückkehr an eine der Grundlagen unserer Demokratie führen: Die offene, respektvolle Debatte. Wir müssen dringend wieder lernen zu streiten und streitbar zu werden. Die anstehenden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Themen sind zu wichtig, um sie wenigen zu überlassen und zu wichtig, um andere Meinungen sofort in Feindbilder zu verwandeln. Eine offene Debatte mit mehrerer Akteuren, u. a. mit kreativen Querdenkern, wird uns gerade in Krisenzeiten vor falschen Entscheidungen schützen und die richtigen sich entwickeln lassen.

Und was in Krisen richtig ist, kann ohne Krisen nicht falsch sein.